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2. Teil: Interview mit Green Size Gründerin Roxane Porsack: Warum wir nachhaltige Mode bevorzugen sollten

Heute geht es darum, wie Roxane von Green Size es schafft nachhaltige Mode zu produzieren und worauf man bei nachhaltiger Kleidung achten sollte. Weiterhin erfahren wir über Roxanes soziales Engagement und ihre Arbeit in Indien.

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Schön dass du zu unserem Interview gefunden hast, hier findest du den 1. Teil.

Was bedeutet für Dich Nachhaltigkeit in der Kleidungsproduktion und wie setzt du dies um?

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit in der Kleidungsproduktion, dass alle Arbeitsplätze, die rund um meine Produktion entstehen, einen deutschen Stellenwert haben. Ich möchte erreichen, dass jeder Arbeitsplatz, den ich schaffe, den deutschen Grundgesetzen mehr als genüge tut. Die Menschen sollen von ihrem Geld nicht nur überleben, sondern leben können. Meine Mitarbeiter sollen sich eine monsum-sichere Wohnung mit Wasser und Strom leisten können. Weiterhin sollen sie sich notwendige Krankenbehandlungen leisten können und ihre Kinder zur Schule schicken. Mit der Bildung steht und fällt alles.

Worauf achtest du bei der Auswahl deiner Stoffe?

Ich verwende Stoffe mit dem GOTS-Zertifikat. Das GOTS-Zertifikat hat den zweithöchsten Standard an Ökologie und Sozialstandards, den man in der Textilbranche hat. Wenn man ein Produkt hat, das GOTS-zertifiziert ist, dann kann man darauf vertrauen, dass vom Anfang der Saatwolle bis zum fertigen Produkt alles zertifiziert ist. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Achte auch die Zertifizierungsnummer. Dann kannst du im Internet gegenprüfen, ob der Betrieb wirklich zertifiziert ist.

Wie lange dauert es bis eine Kollektion fertig ist?

Vom Schnitt bis zum fertigen Produkt dauert es ungefähr ein ¾ Jahr. Ich mache die Schnitte und überlege mir das Design. Dann besorge ich die Stoffe, schicke diese nach Indien und fahre selbst in die soziale Organisation, um den Menschen mit denen ich arbeite zu zeigen, wie die Kleidungsstücke genäht werden. Die Stücke werden in Indien genäht und ich kümmere mich hier in Deutschland um den Verkauf. Dieser läuft zum einen über meinen Onlineshop zum anderen bin ich in den wärmeren Jahreszeiten auch auf diversen Märkten mit einem Stand vertreten.

Green Size auf einem Landmarkt in Norddeutschland. Bild: @GreenSize

Wie unterscheiden sich ökologisch hergestellte Kleidungsstücke von konventioneller Kleidung – vor allem was die Haltbarkeit, die Formstabilität und die Farbechtheit anbelangt?

Biologische Farben halten einfach nicht so lange wie konventionelle Farben. Dafür hat man aber deutlich weniger Chemie in der Kleidung und in der Umwelt. Das ist ein Kreislauf mit der Chemie, die werden wir ja nicht mehr los.

Ich glaube wer an das ökologische Konzept glaubt, kann damit leben, dass die Farben irgendwann blasser werden und das ein tiefes Schwarz nach zwei Jahren eben nicht mehr so leuchtet wie am Anfang.

Es gibt Tricks, um die Kleidung lange schön zu halten. Um die Farben zu erhalten, hilft es, wenn man das T-Shirt nach dem Waschen immer bügelt. Es hilft auch, die Wäsche nicht zu heiß und nicht zu oft zu waschen. Vielleicht reicht es ja auch ein nur einmal getragenes und noch sauberes Kleidungsstück auszulüften, anstatt es gleich zu waschen.

So wie auch im Lebensmittelbereich gibt es ja auch im Textilbereich bestimmte Siegel, die für bestimmte Qualität stehen. Worauf müssen Verbraucher achten? Gibt es bestimmte Kennzeichnungen an der ich nachhaltige, fair produzierte Kleidung erkennen kann?

Es gibt viele verschiedene Siegel, die entweder die Ökologie oder die Sozialstandards beachten. Das GOTS-Siegel ist für mich das beste, weil es die Ökologie und die Sozialstandards beachtet. Es gibt auch noch das IVN-Siegel, als das wertigste Siegel. Das sieht man aber selten, weil es einen sehr sehr hohen Anspruch hat, den die meisten nicht erfüllen können.

Dann gibt es noch das Öko-Tex-Standard 100-Siegel. Dieses Siegel sagt eigentlich nur aus, dass das Endprodukt nach der ersten Wäsche beim Verbraucher einen gewissen chemischen Gesundheitswert entspricht. Was davor passiert, also unter welchen Bedingungen die Kleidung hergestellt wurde, ist denen egal. Für den Endverbraucher ist das ja schon mal ein Vorteil, besonders wenn man Kinder hat. Nur leider ist es für die gesamte Lieferkette nichts wert.

Welche Standards und Richtlinien verfolgt Green Size um mir als Kundin ein faires und nachhaltig produziertes Kleidungsstück anbieten zu können?

Auf meinem Blog findest du darüber einen ausführlichen Bericht. Ich kann mir das Zertifikat momentan noch nicht leisten. Dadurch das es diesen hohen Anspruch verfolgt, braucht es natürlich auch eine hohe Kontrolle. Jedes Audit, jede Kontrolle kostet Geld und da Green Size noch im Aufbau ist, arbeite ich zur Zeit noch auf Vertrauensbasis.

Ich veröffentliche viele Photos und berichte authentisch über meine Arbeit. Ich arbeite für mich nach den Richtlinien von GOTS und versuche mein Label dem Konzept nach aufzubauen, damit ich es leicht habe, wenn ich mich eines Tages zertifizieren lasse.

Welche Vision verfolgt Green Size und was ist dir besonders wichtig?

Ich möchte, dass der Verbraucher seine Macht erkennt und auch entscheidet, wie sein Produkt hergestellt wird. Als Verbraucher habe ich immer die Auswahl zwischen einem konventionellen und einem fair-produzierten Produkt. Dadurch dass ich selber nach Indien fahre, arbeite ich nach dem Direkt-Trade-Prinzip. Das heißt ich handle ohne Zwischenhändler und kann vor Ort kontrollieren, wie es meinen Mitarbeitern geht. Wenn ich bei Händlern einkaufe, die ein Siegel haben, muss ich auch vertrauen. Verbraucher sollen lernen hinzuschauen und zu entscheiden, was möchte ich für die Zukunft und was möchte ich für mich und meine Familie. Möchte ich meine Haut mit Chemikalien belasten, möchte ich das meine Kleidung von Kindern genäht wurde, akzeptiere ich das oder möchte ich mit meiner Kaufentscheidung etwas besser machen?

Gibt es soziale Projekte, die du unterstützt? Und warum hast du dich entschieden, deine Kollektion in Indien produzieren zu lassen und nicht in Deutschland, wo es doch auch hier viele Menschen gibt die arm sind und Förderung bedürfen?

Ich glaube daran, dass Bildung der Schlüssel weg von der Armut ist. Ein gebildeter Mensch hat bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz und kann für sich selber besser erkennen, was seine Rechte sind und was seine Chancen im Leben bedeuten. Man kann einfach besser erkennen, ob man ausgebeutet wird, wenn man seinen Vertrag lesen kann.

Es gibt auch in Deutschland viele Menschen, die nicht lesen können. Wir haben hier aber ein sehr gut ausgebautes Netzwerk an Hilfe. Hier macht es einen Menschen nicht automatisch arbeits- oder obdachlos, wenn er nicht lesen kann. Jemand in Indien, der nicht lesen und schreiben kann, ist damit ausschließlich für Hilfsarbeiten, wie Müllsammler oder Lastenkuli. Sie können immer nur minderwertige Arbeiten annehmen um zu leben. Sie haben nie die Chance frei zu entscheiden, was sie einmal werden möchten. Ich möchte da helfen, wo es brennt.

Roxane unterrichtet im Rahmen eines sozialen Projektes junge Frauen im Nähen. Bild @GreenSize

Auf der anderen Seite spielt natürlich auch der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle, meine Kleidung in Indien produzieren zu lassen. Eine deutsche Arbeitskraft kostet min. 8,50/ h. In Indien ist das ein ganzer Monatslohn.

Ich könnte ein Green Size Projekt nicht auf deutschem Hintergrund aufbauen, weil das Endprodukt so teuer wäre, das es am Ende keiner kauft. Ich versuche deshalb hier in Deutschland soziale Einrichtungen zu unterstützen, ich kaufe deren Produkte und gehe in deren Cafes. Die Menschen hier brauchen mich aber nicht so dringend, wie die Menschen in Indien.

Ich habe das Gefühl, ich kann dort mehr Menschen helfen auf eine erheblich effizientere Art und Weise, die in mein Leben wie es ist, besser reinpasst.

Ich unterstützte zum Beispiel FerryBengal. Dort werden Frauen aus benachteiligtem Background unterstützt mit einer einjährigen Ausbildung zur Schneiderin. Dadurch werden diese unabhängig und können ein selbstbestimmtes Leben leben.

Wo kann ich dich und deine nachhaltige Mode finden?

Meine Kleidung und meinen Blog findest du hier: Green Size. Komm gerne mal vorbei und schau dich um. In meinem Blog erfährst du noch mehr interessante Informationen zum Thema konventionelle vs. nachhaltige Mode. Ich freu mich auf dich.

Liebe Roxane, vielen Dank für dein Interview und weiterhin viel Freude und Erfolg mit deinem Projekt.

Wenn du dich für Themen rund um ein nachhaltiges Leben interessierst, kannst du hier weiterlesen:

 

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