1. Teil: Interview mit Green Size Gründerin Roxane Porsack: Über konventionelle Mode und nachhaltige Alternativen

Heute möchte ich mit dir ein ganz besonderes Interview zum Thema nachhaltige Kleidung teilen. Mit ihrem Label Green Size geht Roxane Porsack ihren ganz eigenen Weg und setzt ein klares Zeichen gegen die konventionelle Textilindustrie.

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Bist du mit Themen wie Bio, Nachhaltigkeit und fairen Produkten aufgewachsen?
Wenn nein, gab es ein Schlüsselerlebnis, was bewegt hat, dass du angefangen hast dich damit zu beschäftigen?

Für mich hat sich das langsam entwickelt. Angefangen hat alles damit, dass meine Eltern wenig Geld hatten und ich die alten Klamotten meiner Schwestern aufgetragen habe. Dinge auftragen hat ja eher einen negativen Charakter. Ich habe das für mich nie so wahr genommen. Ich kaufe furchtbar gerne Sachen beim Flohmarkt und gehe gerne in Second Hand Läden. Mit 13 Jahren habe ich meine erste Nähmaschine bekommen, viel genäht und dafür auch alte Kleidungsstücke aufgeschnitten und neu genäht. Der Bio-Aspekt kam erst viel später. Für mich war das Upcycling-Thema zu erst.

Wie kam es dazu dass du angefangen hast dich mit nachhaltiger Kleidung auseinanderzusetzen?

Mir wurde erst später klar das die Themen Nachhaltigkeit und Bio untrennbar miteinander verwoben sind und was es ausmacht.

Ich habe als ich vor Jahren noch in Berlin lebte, eine Dokumentation über eine karibische Insel gesehen. Dort gab es eine Werkstatt in der nachhaltige Produkte hergestellt wurden. Da hab ich das erste Mal darüber nachgedacht, dass das ja auch mit Kleidung geht.

In Zahlen lässt sich sagen, eine Biobaumwollpflanze braucht 30% weniger Wasser im Anbau. Das macht doch schon mal Sinn, zu mal es Länder gibt, die Bürgerkriege führen, weil es kein Wasser gibt.

Was ist denn das Problem mit unser konventionellen Mode und der dahinterliegenden Industrie?

In unserer Welt ist es mittlerweile völlig normal regionale Bioäpfel zu kaufen. Wir wissen auch woher unser Kaffee kommt. Auf der anderen Seite gehen wir dann aber zu einer der großen Bekleidungsketten und kaufen im Angebot ein T-Shirt für 2 Euro. Die meisten Menschen, und das ist nie mit böser Absicht, bemerken einfach nicht den krassen Gegensatz, das ein Bioapfel der quasi von alleine am Baum wächst, genauso viel kostet, wie ein T-Shirt, welches eine so lange Produktionskette mit mehreren Firmen durchläuft.

Weißt du, wie und unter welchen Bedingungen deine Kleidung produziert wird? Bild: wilhei @pixabay

Ein T-Shirt geht über mehrere Firmen, angefangen vom Saatproduzenten, dem Baumwollanbauer, den Logistikern über den Färber, den Weber und viele andere. Im Durchschnitt wollen und müssen ca. 20 Firmen an diesem T-Shirt verdienen und die große Bekleidungskette hat daran immer noch 40% Gewinn. Die Frage ist also, wie viel bleibt den anderen 19 Firmen und deren Mitarbeitern? Es arbeiten ja oft ganze Familien mit. Häufig machen diese sogar Schulden um in diesen Berufen zu arbeiten.

Den Aspekt den du angesprochen hast, beschreibt ja eher die wirtschaftliche, finanzielle Seite der konventionellen Bekleidungsindustrie. Wie wirken sich denn die Methoden der konventionellen Textilproduktion auf die Gesundheit der Menschen und auf unsere Umwelt aus?

Es geht darum, wie produziert wird. Die Menschen in der Textilindustrie arbeiten meist ohne Schutzausrüstung. Sie stehen ohne Schutz in der Farbbrühe und sterben mit 35 an Krebs, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können. Das ist der Standard.

Beim beliebten Used-Look auf Jeans zum Beispiel wird die Farbe mit einem Sandstrahler abgesprüht. Das machen die Leute ohne Schutzausrüstung und dadurch bekommen sie wie früher im Bergbau die sogenannte Staublunge. Die Menschen dort können sich die Behandlung beim Arzt nicht leisten, sie können es sich auch nicht leisten, ihre Krankheiten auszukurieren und sie können sich auch keine Schutzausrüstungen leisten.

„Moderne Sklaverei findet in der Textilindustrie noch statt“

Moderne Sklaverei findet in der Textilwirtschaft noch statt. Menschen werden in Lohnknechtschaft gehalten. Kinder erben die Schulden ihrer Eltern und müssen mit 8 Jahren in der Weberei stehen um die Schulden ihrer Eltern mit zu tragen. Das findet in der normalen Textilindustrie überall statt. Wir in Europa sehen es halt nur nicht, weil es woanders ist. Es wird wenig darüber berichtet und wir freuen uns meist einfach über das billige T-Shirt. Nur leider zahlt den Preis jemand anderes. Es klingt vielleicht als würde ich übertreiben, aber für die Kleidung die du im Schrank hast, ist fast für jedes Teil jemand gestorben.

Warum bist du auf die Idee gekommen faire Kleidung zu produzieren?

Wir können natürlich boykottieren und sagen wir kaufen nichts mehr aus den Ländern, in denen diese teilweise grausamen Zustände herrschen, nur werden die Menschen, die jetzt arbeit haben dann arbeitslos. Und dann bleibt oft nur noch Drogenhandel, Prostitution und Bettler.

Die für mich einzige sinnvolle Möglichkeit ist es bessere Arbeitsplätze zu liefern. Einfach Produkte unter fairen Bedingungen in diesen Ländern herstellen lassen. Das ist auch der Grund, warum ich Green Size gegründet habe.

Nach dem spannenden Interview mit Roxane.

Ich möchte das Menschen, die jetzt in Knechtschaft, in moderner Sklaverei leben einen Arbeitspaltz haben in dem sie unter würdigen Bedingungen leben und arbeiten können. Das heisst sie sollen krankenversichert sein, Anspruch auf Urlaub haben und ihre Kinder sollen zur Schule gehen können Quasi all das was für uns völlig normal ist, das kennen die Menschen dort nicht.

Es geht auch für mich darum die Frauen und ihre Rechte zu schützen. Ich arbeite ja vorrangig in Indien und Bangladesh. Frauen sind dort und in vielen anderen armen Ländern generell nicht so viel Wert. Als frau bekommst du einen geringeren Lohn, gerne um die Hälfte reduziert und als Mädchen noch mal weniger. Mädchen bringen ihren Elter kein Einkommen. Sie werden früh verheiratet und gehen dann mit in die Familie des Mannes. Mädchen sind insofern völlig unbeliebt und mir geht es darum die Frauenrechte zu stärken. Frauen sollen den gleichen Lohn wie Männer bekommen und auch stärker vor sexuellen Übergriffen geschützt werden.

Green Size unterstützt soziale Projekte, die Frauen fördern durch eine Schneiderausbildung ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Bild: @Green Size

In Indien gibt es kein soziales Netz. 2/3 der Menschen leben unter dem Existenzminimum. Wenn du dort durch Krankheit oder als Frau z.B. durch Schwangerschaft nicht arbeiten kannst, dann hast du kein Geld. Dann bist du auf das Wohlwollen deiner Mitmenschen angewiesen.

Im 2. Teil berichtet Roxane uns von ihrer Arbeit in Indien, worauf du bei nachhaltiger Kleidung achten musst und was alles mit der Produktion einer nachhaltigen Kollektion verbunden ist.

Hier findest du Roxane  auf Facebook und hier kommst du zum Blog und Shop.

 

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